Nachgefragt

Gerd Salasse im Interview

5 Fragen an den Galeristen Gerd Salasse. Er betreibt seit 2008 in Duisburg eine kleine Galerie mit dem Namen Jetzt am Dellplatz.

 

In der Regel heißen die Galerien wie ihre Besitzer oder tragen „Kunst“ oder „Art“ im Namen. Du hast dich für Jetzt am Dellplatz entschieden. Ein Name, der überhaupt nicht vermuten lässt, dass er zu einer Galerie gehört – warum? 

Vielleicht habe ich mich für diesen Namen entschieden, weil auch die Galerie etwas versteckt liegt. Es gibt kein Schaufenster und man muss klingeln, um in die Ausstellungsräume zu gelangen. Die Räume liegen am Ende eines Hinterhofs.

Der Name JetztamDellplatz enthält außerdem eine zeitliche und eine räumliche Komponente. Die zeitliche steht für den aktuellen Moment. Es ist schließlich auch eine Galerie für zeitgenössische Kunst. Die örtliche weißt selbstverständlich auf den Ort hin. Der Dellplatz hat sich in den letzten Jahren zu einem kulturellen Treffpunkt in der Stadt gemausert. Es gibt hier ein Programmkino, ein Kleinkunsttheater und Kneipen mit einer lebendigen Musikszene. Dafür ist der Dellplatz über die Grenzen Duisburgs bekannt.

Mit Kunst hast Du beruflich wenig Berührungspunkte. Du bist Diplom-Pädagoge. Woher kam deine Entscheidung eine Galerie zu eröffnen? 

Mein Interesse für Kunst habe ich während meines Studiums entdeckt. Ich habe damals angefangen, mich für Antiquitäten zu interessieren und Antiquitäten zu sammeln und auch zu verkaufen. Zwangläufig musste ich mich also auch mit künstlerischen Formen und den einzelnen Stilrichtungen befassen. Diese intensive Auseinandersetzung mit kunstgeschichtlichen Themen hat mich letztendlich zu den Werken des 21. Jahrhunderts geführt. Mit der Zeit habe ich den Wunsch verspürt jungen Künstlern eine Plattform zu bieten – und den habe ich mir mit meiner Galerie erfüllt.

Du stellst fast ausschließlich junge Künstler aus. Wäre es mit etablierten Künstlern nicht einfacher?

Vielleicht wäre es das, aber mir ist es wichtig, junge Künstler zu unterstützen und sie zu fördern. Es gibt viele junge, talentierte Künstler, die unglaublich tolle Arbeit leisten und diesen Leuten möchte ich die Möglichkeit geben, ihre Werke ausstellen zu können. Dabei ist mir auch wichtig, die Künstler über einen längeren Zeitraum zu unterstützen. Es ist spannend zu sehen, wie sie sich weiterentwickeln und sich ihre Arbeit verändert.

Duisburg ist nicht die Kunststadt, aber vielleicht ist das gerade der Vorteil. Hier können sich die Künstler ausprobieren – auch was Ausstellungskonzepte angeht. Ich lasse ihnen da völlig freie Hand.

Wenn man sich anguckt, wer bisher ausgestellt hat, wird schnell merken, dass kaum Duisburger Künstler dabei sind.

Ja, das stimmt. Es ist nicht so, dass ich keine Duisburger Künstler unterstützen möchte. Gerade zu Beginn war schon der ein oder andere Duisburger dabei und erst letztes Jahr hatte die gebürtige Duisburgerin Theresa Kallrath eine erfolgreiche Ausstellung. Aber ich habe relativ schnell gemerkt, dass die Kunstszene in Duisburg sehr verschlossen ist. Dem möchte ich gerne entgegenwirken, indem ich Künstler aus anderen Städten einlade auszustellen. So vermischt sich auch das Publikum immer wieder aufs Neue. Und Menschen aus anderen Städten sehen auch, dass Duisburg mehr zu bieten hat, als der Ruf vermuten lässt.

Wie entscheidest du, welchen Künstler du ausstellen möchtest? 

Das mache ich ganz ehrlich aus dem Bauch heraus. Mir müssen die Arbeiten gefallen. Nur dann kann ich hinter einer Ausstellung stehen und nur dann macht auch die Arbeit Spaß. Gerade zeige ich in der Galerie beispielsweise Arbeiten des Kölner Künstlers Johannes Baptista Ludwig. Seine Kunst mag ich sehr gerne, weil man sie nicht leicht kategorisieren kann. Er arbeitet an der Schnittstelle von Grafikdesign, Animationsfilmen und Kunst. Comic, Cartoon und Urban Art sind die verbindenden Elemente bei ihm. Seine Arbeiten sind einfach unglaublich spannend.