Nachgefragt

Karin Dörre im Interview

portrait(c)WHGNeuse 2011

Wir haben uns mit Karin Dörre, Künstlerin und Vorstand im BBK Düsseldorf unterhalten und ihr fünf Fragen gestellt.

 

Was sind die Kernaufgaben des BBK?

Zu den Kernaufgaben des BBK gehört es, die berufspolitischen Interessen seiner Mitglieder zu vertreten. Politische Instanzen und Verwaltungen setzen zwecks kompetenter Beratung sowohl auf Bundes- wie auch Kommunalebene Gremien ein, in diese Gremien werden regelmäßig Vertreter des BBK berufen.

Der Bundesverband als Dachverband des Landesverbände mit ihren Landes- und Bezirksverbänden vertritt der BBK die Interessen der Künstlerschaft gegenüber der Bundesregierung, die die Rahmenbedingungen für künstlerische Berufe in der Innen-, Finanz-, Rechts- und Außenpolitik setzt.

 

In jeder Stadt gibt es einen kulturpolitischen Ausschuss, auf höheren Ebenen natürlich auch. Bringt der Einsatz in solchen Gremien überhaupt etwas? Werden die Belange der Künstler noch berücksichtig? Die Kulturförderung ist ja oft eine der ersten, die dem Rotstift zum Opfer fällt…

Der BBK-Bundesverband ist mit ca. 10.000 Mitgliedern eine starke Lobbygemeinschaft, die sich mit Fachkompetenz Gehör verschafft. Gekämpft werden muss für die Interessen der Künstlerschaft immer wieder, dafür ist der BBK da. An dieser Stelle nenne ich Schlagworte wie TTIP, Künstlersozialkasse, Ausstellungsvergütung, Urhebergesetze.

 

Sie setzen sich für die Wahrung der Urheberechte im künstlerischen Bereich ein. Wie bewerten Sie das neue Kulturgutschutzgesetz? Ist es sinnvoll?

Seit der Entwurf für das neue Kulturgutschutzgesetz der Öffentlichkeit zugänglich wurde, ist in den Medien ein Sturm der Entrüstung aufgezogen. Es ist ein Entwurf und es muss sicherlich in Details noch überarbeitet werden. Ein Aspekt darf jedoch in der Diskussion nicht ausser Acht gelassen werden: Kunst und Kultur dürfen nicht ausschliesslich unter merkantilen Gesichtspunkten wahrgenommen und verhandelt werden, denn wenn Kunstwerke nur noch zu reinen Spekulationsobjekten werden, wird Kultur im Grundsatz als identitätsstiftende Größe in Frage gestellt. Und das kann nicht in dem Interesse derer liegen, die sich mit der Herstellung und Verbreitung von Kunst beschäftigen.

 

Kunst im öffentlichen Raum – oftmals ein Streitthema. Für die einen unverzichtbar, für andere nicht nachvollziehbar und eine Verschwendung von (Steuer-)Geldern. Ist Kunst im öffentlichen Raum verzichtbar?

„Kunst im öffentlichen Raum“ verfolgt den Zweck, für jeden sichtbar zu sein, der gerade vorbeikommt. Der Leitgedanke ist, dass die Kunst aus dem geschützten Raum des Museums oder der Galerie mitten in die Öffentlichkeit gebracht werden soll. Dort steht sie – der Kritik von jedermann freigegeben. Sie wird oft nach Geschmack, Geschicklichkeit und Gebrauchswert beurteilt. Man fragt, ob es einem gefällt, ob es sozial verträglich ist, ob es nützt. Die Frage, ob Kunst im öffentlichen Raum verzichtbar ist, stellt sich nicht in einer demokratischen Gesellschaft – der Stadtraum ist ein Raum der Demokratie. „Kunst im öffentlichen Raum“ ist eine Verpflichtung.

 

Künstler und Wirtschaft – eine nicht immer ganz einfache Verbindung. In der Wirtschaft wird schnell die Frage nach dem Nutzen, dem Profit gestellt. Künstler schreckt diese Denkweise oft ab. Wie wichtig ist in Ihren Augen die Verbindung von Kunst und Wirtschaft? Geht es heute noch ohne?

Unser Leben in Europa ist wirtschaftlich orientiert. Auch Künstler verfolgen merkantile Interessen, jedoch nicht ausschliesslich und sicherlich mit anderen Strategien als Fachleute aus der Wirtschaft. Beide Seiten sollten zueinander gebracht werden, eine Diskussion ist sinnvoll und sicherlich fruchtbar.