Nachgefragt

Agnes Brigida Giannone im Interview

Agnes Brigida Giannone

Drei Fragen an die Künstlerin Agnes Brigida Giannone. Sie lebt in Düsseldorf. Ihr Atelier befindet sich im Duisburger Atelierhaus Goldstraße.

 

Sie sind nicht nur Fotografin, sondern auch Architektin. Räume haben für Sie sicherlich noch einmal eine ganz andere Bedeutung als für andere Künstler. Wenn Sie Ihre Arbeiten ausstellen – müssen diese mit den Ausstellungsräumen harmonieren?

Für mich ist wichtig, dass beides zusammenspielt, nicht unbedingt harmonisch.
Bei der Installation „night zoo“ im Ludwigturm im Duisburger Innenhafen ging es darum das Haus mit den Bildern zu verschmelzen. Bei der Ausstellung „Ottostrasse“ benutzte ich für die Bilder eine mäandernde Innenwandabwicklung und ließ andere Wände vollkommen frei. Die Bilder zeigen meinen Weg durch ein gerade geräumtes Hochhaus von der obersten Etage aus hinunter bis in das Erdgeschoß. Dabei wurden die Wohnungen immer mit der gleichen Kameraposition mit Blick auf die Fenster, in denen das Pendanthochhaus gegenüber auftauchte, fotografiert. Von Geschoß zu Geschoß erscheint der Zwilling größer und höher, bis er am Ende auf dem zwölften Bild im Erdgeschoss nur noch ein Sockel ist. Wenn man sich langsam an der gefalteten Innenwand entlangbewegend die Bilder anschaute, wirkte es wie ein sehr zögerliches großes Daumenkino.

 

Viele Ihrer Arbeiten scheinen sich mit verlassenen – vielleicht auch verwunschenen – Orten zu beschäftigen. Die Fotografien strahlen etwas mystisches aus. Wie wählen Sie Ihre Motive? Was fasziniert?

Vielleicht  hängt es damit zusammen, dass mich die Atmosphäre  eines Ortes besonders beschäftigt. Wodurch entsteht diese Dichtigkeit? Bei dem Bild „Odeon“ beispielsweise sind so viele hintereinandergeschaltete Ebenen beteiligt, außerdem das konzentrierte Licht, wie eine Bühnenbeleuchtung. Diese ungeplante Komplexität fasziniert mich.

 

Sie sind am Niederrhein geboren, leben in Düsseldorf und irgendwie scheint es Sie immer wieder nach Duisburg zu ziehen. Von 2000 bis 2009 haben Sie das „studio düsburg“ betrieben, stellen immer wieder in der Stadt aus, haben dort jetzt auch ihr Atelier. Warum?

Ich finde das Ruhrgebiet spannend. Runtergekommen, kulturell vernachlässigt, aber immer dann, wenn ich mich abwenden wollte, hatte ich Begegnungen die so speziell und außergewöhnlich waren, dass für mich wieder klar wurde, was mich anzieht und hält. Aus den Zerfallsprozessen entwickelt sich Andersartiges, das ich sehr schätze.