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ARTBAHN-FÖRDERPREIS

„2012 hatte die Rheinbahn zum fünften Mal den artbahn-Förderpreis für Künstler, Designer und Fotografen ausgeschrieben. Ursprünglich entstand die Idee von Petra Bach zu diesem Projekt im Jahr 1996 anlässlich des 100. Jubiläums des Unternehmens. Für das Thema „Stadt Düsseldorf“  suchte die Rheinbahn den besten Entwurf zur Gestaltung einer Niederflurstraßenbahn des Typs NF8U. Erstmals waren die Künstler aufgefordert, Flächen im Innenraum der Bahn ebenfalls mit in die Gestaltung aufzunehmen.

Unter den Gesichtspunkten Idee, künstlerische Ausführung und Umsetzbarkeit bewertete die Einsendungen eine Fachjury rund um Fotograf Andreas Gursky, Oliver Völlinger und Herbert K. Meyer als leitende Vertreter der Mitsponsoren Siemens AG, Region West und der Vossloh Kiepe GmbH sowie Klaus Klar, Vorstand und Personaldirektor der Rheinbahn; weitere Mitglieder waren Karin Rauers vom Kulturamt der Stadt Düsseldorf, Gérald A. Goodrow, Director Galerie Beck & Eggeling – new quarters und Klaus Richter, bildender Künstler. Organisiert wurde der Förderwettbewerb – wie auch seine Vorgänger von Petra Bach.

Der mit 5.000 Euro dotierte erste Preis ging an den
Düsseldorfer Künstler Felix Baltzer, der der Bahn mit Fotos von
verformtem Edelstahl
ein plastisches Äußeres verleiht.

Felix Baltzer ist Jahrgang 65, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Er hat von 1988 bis 1995 an der Kunstakademie Düsseldorf studiert und war 1995 Meisterschüler des Akademiedirektors Tony Cragg. Für seinen „artbahn“-Entwurf stellte der Künstler zuerst spiegelnde Bleche her, in deren Oberfläche er Ausbuchtungen einge-arbeitet hat. In den Edelstahlblechen spiegeln sich typisch Düsseldorfer Szenerien und Standorte, wie zum Beispiel das Rheinpanorama, charakteristische Häuserfassaden oder Straßenzüge der Stadt. Sie werden durch die Oberflächenstruktur verformt und verfremdet. Davon machte er Fotos, die schließlich als Folie die Bahn komplett bedecken. „Durch die Plastik der Bleche entsteht eine skulpturale Anmutung der Bahn. Die Spiegelungen der Stadt sind auf den Fotos leicht verzerrt und dadurch abstrakt zu sehen. Gleichzeitig spielt der Entwurf mit der vorhandenen realen Spiegelung der Oberflächen und Fenster der Straßenbahn“, so der Künstler. Im Innenraum des NF8Us führt Baltzer seine Idee fort; hier soll sich in den Fotos der Bleche das Innere der Bahn spiegeln.

Für die Plätze zwei und drei winkten Preisgelder von 2.500 und 1.000 Euro; sie gingen an Frank Haase sowie an Becker Schmitz und Pascal Bruns. Haase greift mit seinem Entwurf namens „Zollhofflair“ die Gehry-Bauten im Medienhafen auf und verdeutlicht ihre wesentlichen architektonischen Stilmerkmale mit Hilfe von Fotos von zerknüllter Alufolie. Becker Schmitz und Pascal Bruns wollten die Bahn im Rahmen ihres crossmedialen Kunstprojektes „Hold the Line“– Bespannungen mit farbiger Klebefolie – realisieren und ihre Arbeit mit einem eigenen Internet-Blog begleiten.“ (Quelle: Rheinbahn AG Düsseldorf)

 Artbahnen 1996 – 2005

2005: Sybille Möller, Hamburg

2000: Hiroyuki Masuyama, Düsseldorf

1998: 2. Preisträger, Hans Hoge, Halle. Dieser Entwurf wurde realisiert.

1998: 1. Preisträger – Christian Deckert, Düsseldorf. Der Entwurf wurde nicht realisiert.

1996: Stefanie Aselmann, Hannover

HOLD THE LINE

Mit dem Kunstprojekt HOLD THE LINE untersuchen Becker Schmitz und Pascal Bruns seit 2009 die Schnittstellen von öffentlichem und digitalem Raum. Sie beschäftigen sich mit der These, welche Schritte notwendig sind, um aus einem analogem Ereignis gleichzeitig ein digitales werden zu lassen. Hierfür lassen sie in der “analogen Welt” an immer neuen Orten ein temporäres Kunstwerk entstehen, das sich in der “digitalen Welt” stetig fortschreibt.

HOLD THE LINE erscheint wie ein dreidimensionales Graffiti. Als würde eine Linienkonstruktion im Raum schweben. Letztlich überlassen sie die Installation nach der Fertigstellung sich selbst.

Bevor die Linie gespannt wird, setzen sie sich intensiv mit dem Raum auseinander und legen in dieser frühen Phase die Sichtachse für das Foto fest. Erst dann erfolgt die Intervention: das Spannen einer Linie aus einer – meist schwarzen – Folie aus Polyethylen in dem vorher definierten Bereich.

Die Intervention vereint in diesem Stadium drei Disziplinen. Fotografie, Objekt und Zeichnung im Raum. Hierbei trennen und verbinden die gezogenen Linien den Raum und Sichtachsen. Man kann die Installation begehen, wie eine Skulptur. Die wiederum als Abbildung in der Fotografie eine homogene und zweidimensionale Zeichnung zeigt.

Wenn gleich HOLD THE LINE als künstlerisches Konzept zur Untersuchung der Schnittstelle zwischen digitalem und analogen Raum als künstlerischen Konzeption verstanden werde kann, ist jede Ebene als eigeneständiges Kunstwerk an zu sehen.

Das Foto wird in das digitale Archiv HTLIndex eingestellt. Standort, geographische Besonderheiten und Entstehungsdatum werden dort ebenfalls katalogisiert. Der Standort wird zusätzlich in den HTLAtlas eingetragen – ein digitaler Atlas auf der Basis von Google Maps. Die jeweiligen Orte werden dort ebenfalls mit einer schwarzen Linie verbunden. So entsteht im HTLAtlas ein stetig wachsendes Linienkonstrukt, die sich ebenfalls wie eine geometrische Zeichnung über den Atlas legt.

Darüber hinaus kann jeder die Orte selber aufsuchen und schauen, ob an einer Stelle noch Fragmente einer HOLD THE LINE oder ganze Installationen existieren.

HOLD THE LINE unterliegt dem Wandel. Dies ist dem stetigen Fortschritt innnerhalb der digitalen Medien geschuldet. Pascal Bruns und Becker Schmitz behalten sich vor, die Strategien zur Untersuchung der Schnittstellen aus digitalen und analogen immer wieder neu zu überprüfen.

HOLD THE LINE ist ein Konzept, dass sich so als Abbild und Randerscheinung innerhalb der “digital disruption” bewegt und ständig neu definiert.

Informationen

Links:
HTL Index
HTL Book
HTL Atlas